Chirurgie LKH Graz (Erläuterungstext Wettbewerb)

Grundkonzept Architektur:

Der ausgeschriebene Wettbewerb behandelt einen Teilbereich eines komplexen Gesamtgestaltungsbereiches, welcher in mehreren Etappen über mehrere Jahre umzusetzen ist.

Entscheidend ist es, aufzuzeigen, wie die einzelnen Gestal­tungsthemen wie Fassaden, Verbindung von Alt und Neu bzw. die Funktionseinheiten architektonisch behandelt werden, um eine qualitätvolle Struktur in die Gestaltung einzubringen.

Diese Gestaltungselemente müssen auf die Gegebenheiten des Bestands eingehen, jedoch so konzipiert sein, dass die Neubauten mit zeitgemäßer Architektur aufzeigen, was im 1. Jahrzehnt des 3. Jahrtausends \"state of the art\" ist.

Für die Bestandsobjekte muss aufgezeigt werden, dass die Überarbeitung ein vollwertiges Objekt ergibt, welches den Vergleich mit einem Neubau nicht zu scheuen braucht. Unabhängig davon ist es Ziel, dass Alt und Neu zu einer Architekturgesamtheit geführt werden, welche besondere Qualitäten zeigt, die sowohl im Potential des Alten als auch in den Qualitäten der zeitgemäßen Architektur liegen. Die Themen der Energieoptimierung bzw. der aktiven Energie­gewinnung durch Gebäude sollen nicht nur genutzt werden, sondern zu einer neuen Ästhetik führen.

Unabhängig von all diesen sicherlich wichtigen Aspekten ist es Ziel, ein möglichst optimales Ambiente für die Patienten und Mitarbeiter des medizinischen Personals, aber auch für die Besucher zu schaffen.

Städtebauliche und Baukünstlerische Überlegungen:

Die Bauetappe 1 - der Südtrakt - wird so errichtet, dass er in späterer Folge zusammen mit dem Nordtrakt eine Architekturgesamtheit bildet. Nord- und Südtrakt sollen nach Fertigstellung der Bauarbeiten dieselbe Architekturqualität und denselben Komfort bieten. Aus diesem Grund werden für den Zubau Süd der gleiche Achsraster und das gleiche Fassadensystem vorgesehen. Die Geschossgrundrisse werden offen gestaltet, d.h. die Gänge sind natürlich belichtet und beleuchtet, und ein Ausblick nach draußen ist möglich.

Unter Einhaltung der städtebaulichen Vorgaben wird im 10.OG ein Hubschrauber­landeplatz vorgeschlagen. Dadurch können darunter im 9.OG optional Dienstzimmer und Verwaltungsflächen realisiert werden, und das 8.OG kann als Intensiv- und Aufwach­station für die Neurochemie genutzt werden. Im 9.OG ist die Sonderklasse untergebracht. Die Zimmer sind beim vorliegenden Projekt gegenüber dem Vorprojekt etwas vergrößert worden. Der Grund dafür ist, in der Sonderklasse einen entsprechenden Komfort zu bieten bzw. die Möglichkeit für ein Zusatzbett für einen Angehörigen.

Die Fassade wird als Photovoltaikfassade konzipiert. Das Erscheinungsbild der Photovoltaikfassade - oben dunkel, unten hell - wird als gestalterisches Novum in Erscheinung treten und auf die Notwendigkeit hinweisen, auch im Bereich des Krankenhauses mit Energie sorgsam umzugehen.

Im Bereich der Fenster werden transparente öffenbare \"Fassadentore\" als Sonnenschutz konzipiert. Die einzelnen Zimmer sind sowohl im Bad als auch im WC behindertengerecht ausgeführt und haben als besondere Attraktion einen kleinen Balkonbereich, welcher als benutzbare Klimapufferzone dient und vor allem für Liegende den Blick nach außen frei gibt. Der Balkonbereich kann mit transparenten Photovoltaikelementen geschlossen und geöffnet werden, sodass hier eine Pufferzone entsteht, welche als Erholungsraum, Freibereich bzw. Wintergarten genutzt werden kann. Im Sommer wird durch das bewegliche Fassadenelement die Überhitzung vermieden.

Die geöffneten Fassadenelemente zeigen eine Farbgestaltung, welche sich an der Stirnseite dieser beweglichen Elemente befindet, und bewirken so ein sich ständig veränderndes Bild der Fassade, welches zum Schauobjekt und Merkzeichen des LKH wird.

Materialien:

Um die Orientierungsqualität zu erhöhen, werden Leitfarben für die verschiedenen Geschosse vorgeschlagen. Die Leitfarben sind nicht nur im Inneren sichtbar, sondern zeigen sich auch im geöffneten Zustand durch die beweglichen Sonnenschutzelemente in der Fassade. Im Innenbereich wird neben den Leitfarben auch ein farblich abgestimmtes Leitmaterial - Porzellanplatten eingesetzt, welches nicht nur im Bereich Haptik, Anmutung und Pflegeaufwand, sondern auch im Bereich Lebensdauer neue Dimensionen aufzeigt.

Außenraumgestaltung und Außenanlagen:

Von der Ludwig-Seydler-Gasse wird ein barrierefreier Zugang geschaffen. Die Außenanlagen, aber auch die Lichthöfe nehmen in ihrer Gestaltung Themen auf, welche gerade für Kranke bzw. Genesende von besonderer Bedeutung sind, zum Beispiel Garten der Erinnerung, der Intensität, der Gelassenheit etc. Die Grünbereiche sind so konzipiert, dass sie in der Jahreszeitenfolge besondere Schwerpunkt zu den Themen aufzeigen.